Antoniuskapelle Mellingen

Mit ihrer von Rundbogenarkaden geprägten Vorhalle mutet das Gotteshaus beim Mellinger Friedhof südländisch an – passend zum Kapellenpatron Antonius, der aus Portugal stammte und im italienischen Padua begraben ist. 1736 liess die Mellinger Bürgerschaft die Kapelle errichten und daneben einen neuen Friedhof anlegen. 1739 bestellte der Mellinger Rat bei Franz Xaver Widerkehr und seinem Sohn Kaspar Josef für die Kapelle einen Altar mit Antoniusfigur. Die von Kaspar Josef geschaffene Antoniusfigur gehört zu den künstlerischen Höhepunkten des Rokokos im Kanton und ist die wohl eindrücklichste Darstellung des Heiligen im Aargau. Mit verzücktem Gesicht kniet Antonius, das Jesuskind in seinen Armen haltend, auf dem schemelförmigen Tabernakel.

1865 wurde die Kapelle, dem Zeitgeist entsprechend, im neugotischen Stil umgestaltet. Die Antoniusfigur kam in den Spittel (Altersheim), obwohl viele Gläubige gegen ihre Entfernung aus der Kapelle protestierten. 1923 kehrte Widerkehrs Antonius an den alten Standort zurück, jedoch mit einem weissen Anstrich. Die Restauration in den Jahren 1981 bis 1983 gab dem Kapelleninneren die festlich-heitere Stimmung des 18. Jahrhunderts zurück. Ein Altar aus dem luzernischen Kloster Werthenstein birgt den «Antoniustabernakel», der wieder in seinen ursprünglichen Farben erstrahlt. (Linus Hüsser)

(Der Text stammt von der Website Aargauer Kapellen, einem Projekt der Römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Aargau)